Zeitung fur Duisburg
Frank Wältring

Van Veens Publikum fuhr mit im Traumabteil

Der Clown, Sänger und Musiker gastierte in der Mercator-Halle

4 nov 1994

Schwebenden Ganges wehte er auf die nächtlich blauschimmernde Bühne. Herman van Veen war wieder in Duisburg und ließ das Publikum auf seiner Reise durch das Traumabteil mitfahren. In der zweimal ausverkauften Mercatorhalle bewies der offene und doch unnahbar erscheinende Holländer am vergangenen Mittwoch und Donnerstag erneut, daß er besser singen als schweigen kann. Nach zwanzig Jahren Deutschlanderfolg ist der Clown, Mimikkünstler, Geiger und Sänger wieder auf großer Tournee, rund um den Globus.


Mit 87 Konzerten stehen auf Herman van Veens Reise die deutschen Bühnen im Mittelpunkt. Mit Erik van der Wurff am Piano und dem Saxophonisten Nard Reijnders bildet der Gaukler ein harmonisches Trio, welches das Publikum zu bezaubern weiß.

Auf der neuen CD „My Cat and I“ steht die Liebe im Vordergrund mitsamt all’ ihren Höhen, Zweifeln und Tiefen. In seinen Liedern singt van Veen von Trennung, Schmerz und Angst vor neuen Verletzungen. Damit trifft er auch in Duisburg die verborgenen Emotionen seiner Fans. Doch er beiäst es nicht dabei, gönnt ihnen keine Ruhe.

Er hat die Mitreisenden in seiner Hand und weiß seine facettenreichen Gesichtsausdrücke einzusetzen, um mit Ihnen zu spielen. Seine Mimikkunst wirkt jedoch auch als Mauer, durch die er niemanden in sein Herz schauen läßt. Zielsicher taumelt er von einem Extrem ins andere und schreckt damit die Hörer wie der aus ihrer Melancholie.

Mal zappelt er über die Bühne, ungezwungen und doch nicht ohne Stil. Dann wieder singt er von den gefährlichen Kurzhaarigen in unserer Gesellschaft, die sich in immer größeren Scharen einen „Messerschnitt“ verpassen lassen.
Gleich darauf sitzt am Klavier ein machohafter van Veen, der zum aggressiven Tier mutiert bevor er seinen Klassiker „Ich hab’ ein zärtliches Gefühl“ in die Menge wirft.

Nach zweieinhalb Stunden scheint das Ende der Reise nah, doch die begeisterten Begleiter lassen ihn noch nicht aussteigen. Der harte Kern versammelt sich vor der Bühne. Erst nach drei Stunden hat das Erlebnis ein Ende. Ein beeindruckender Abend nur eine Frage bleibt: Wer ist dieser Herman van Veen?

Er selbst über sich: „Wenn jemand dich fragt wo ich wohne, dann erzähl ihm, daß du weißt, daß es mich gibt - sonst nichts.“

Die Frage bleibt unbeantwortet.



Frank Wältring