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Weinheimer Nachrichten
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Lebendiges Innenleben

31.0ct 1994

Herman van Veen gastierte im Mannheimer Rosengarten

Die Clowns sind rar geworden in einer Zeit, die so schnellebig ist, daß auch das Lachen sich von Schnellschuß-Witzen nährt, wie der Magen von Fast food. Für den tief- und hintersinnigen Humor bleibt wenig Raum in einer Gesellschaft, in der nicht mehr die Beschaffenheit des Weges wichtig ist, sondern nur, daß er die kür-zestmögliche Verbindung herstellt. Herman van Veen beschreitet seine Pfade bedachtsamer. Das hingerissene Publikum im Mannheimer Rosengarten bekam ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, daß Witz in Wirklichkeit Geist bedeutet.



Der Niederländer Herman van Veen ist ein Multi-Talent; als Sänger, Komponist, Texter, Geiger, als Parodist, Pantomime und Clown bewegt er seit über zwanzig Jahren sein Publikum, zu dem jung und alt gehören: Neben Film- und Ballettmusiken schrieb er Theaterstücke, Kinderbücher und die märchenhafte Zeichentrickserie um die Ente Alfred Jodocus Kwak. Gemeinsam ist all seinen Werken eine unerhört starke Gefühlswelt, die nicht in Duselei abdriftet, sondern das Leben kritisch, mit Ironie und Feinsinnigkeit betastet. Dazu gehört unter anderem das Ge-schlechter-Verständnis, und was begegnet der Rolle eines „richtigen“ Mannes mehr als die Quadratestadt? „Echte Männer wohnen in Mannheim“, sinniert Herman van Veen, und: „Echte Männer heißen Her(r)man(n).“

In einem unnachahmlichen persönlichen Stil brilliert van Veen mit einem hochkarätigen Repertoire, in dem musikalischer Esprit und darstellerische Finesse, Sprachwitz und Sinn für Situationskomik in einer solch fließenden Weise ineinander übergehen, daß man davon sogleich verzaubert wird. Der Clown mit dem sanften Charme öffnet seine Seele und läßt sein Publikum an einem derart lebendigen Innenleben teilnehmen, daß jeder sich darin wiederfinden kann, weil trotz aller Individualität die Menschen sich doch so ähnlich sind.

Der Liebe wegen gerührt sein, ist dabei so bedeutungsvoll und trivial zugleich wie auch die ewige Klage übers Wetter: „Letztes Jahr hatten wir Frühling; ich hab’ ihn nicht mitgekriegt, ich war auf dem Klo.“ Soldaten, Krieg, Außerirdische und Rechtsgesinnung, dem Zeitgeist widerstehen ohne nostalgische Verklärung - bei Herman van Veen fügt sich im Programm alles nahtlos zueinander, obwohl zwischen seinen Sujets rauhe Bruchstellen sein müßten, so sprunghaft scheint er sie zu wechseln. . .

Doch er, der nach der Pause „frisch geduscht und hübsch wieder zurück“ ist, versteht es nonchalant, Brücken zu schlagen - zwischen .seinen Themen wie zwischen sich und dem Publikum. Ihm gelingt es dabei sogar, schwarzen Humor zu bieten, ohne zynisch zu sein.

Eines von vielen Kunststücken, die Herman van Veen so erfolgreich mashen.



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